Wo 32’900 neue Mietwohnungen entstehen – und wann sie bezugsbereit sind
In der Schweiz wurden innerhalb von zwölf Monaten 32’900 Mietwohnungen bewilligt – elf Prozent mehr als im Vorjahr und rund 50 Prozent mehr als am jüngsten Tiefpunkt. Besonders dynamisch entwickeln sich die Region Bern und die Innerschweiz; bezugsbereit werden viele Projekte jedoch erst zwischen 2027 und 2029, grössere Arealentwicklungen teilweise noch später.
Kurz erklärt
Die Zahl 32’900 bezeichnet bewilligte Mietwohnungen, nicht 32’900 bereits fertige oder sicher realisierte Einheiten. Die stärkste neue Dynamik bei den Baugesuchen zeigt sich in der Region Bern mit plus 44,2 Prozent und in der Innerschweiz mit plus 25,8 Prozent. Bei raschem Baustart sind erste grössere Bezugswellen ab 2027 und vor allem 2028 realistisch; komplexe Arealentwicklungen können bis 2029, 2030 oder länger dauern.[1]
Inhaltsverzeichnis
- Was hinter den 32’900 Mietwohnungen steckt
- Die wichtigsten Zahlen
- Wo der Mietwohnungsbau besonders anzieht
- Wann werden die Wohnungen bezugsbereit?
- Bezugszeit-Schätzer
- Rund 15 Prozent sind Ersatzneubauten
- Entspannt sich der Mietmarkt jetzt?
- Werden die neuen Wohnungen günstig sein?
- So finden Wohnungssuchende Neubauprojekte früh
- Drei Szenarien bis 2030
- Häufige Fehlinterpretationen
- Checkliste für Wohnungssuchende
- Quellen und Datenstand
- Häufige Fragen zu den 32’900 neuen Mietwohnungen
Was hinter den 32’900 Mietwohnungen steckt
Die 32’900 Einheiten wurden in einer Ende Juli 2026 veröffentlichten Wüest-Partner-Auswertung ausgewiesen, über die Blick berichtet hat. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Plus von elf Prozent; gegenüber dem jüngsten Tiefpunkt der Bautätigkeit beträgt der Anstieg rund 50 Prozent.
Eine Baubewilligung ist ein wichtiger Frühindikator, aber noch keine Fertigstellungsgarantie. Nach der Bewilligung können Rechtskraft, Finanzierung, Ausführungsplanung, Vergabe, Baustart, Bau, Abnahme und Erstvermietung folgen.
Die veröffentlichten Daten enthalten keine vollständige Aufteilung der 32’900 Wohnungen nach Kanton, Gemeinde oder Projekt. Regionale Prozentwerte zeigen die Veränderung der Baugesuche – nicht die genaue Zahl der bereits bewilligten Einheiten je Region.
Die wichtigsten Zahlen
| Kennzahl | Wert | Einordnung |
|---|---|---|
| Bewilligte Mietwohnungen, letzte 12 Monate | 32’900 | bewilligt, nicht zwingend bereits im Bau |
| Veränderung zum Vorjahr | +11 % | deutlicher Aufschwung |
| Veränderung zum jüngsten Tiefpunkt | rund +50 % | Tiefpunkt vor etwa zweieinhalb Jahren |
| Ersatzneubauten | rund 15 % | bestehende Wohnungen werden teilweise ersetzt |
| Baugesuche Region Bern | +44,2 % | stärkster publizierter regionaler Zuwachs |
| Baugesuche Innerschweiz | +25,8 % | Dynamik besonders in Luzern, Zug und Schwyz |
| Leerwohnungsziffer 2025 | 1,00 % | 48’455 Leerwohnungen am 1. Juni 2025 |
Wo der Mietwohnungsbau besonders anzieht
| Marktregion | Kantone/Gebiet | Aktuelles Signal | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Bern | BE | +44,2 % bei den Baugesuchen | Umnutzungen grösserer Industrieareale und Aufholbewegung von tiefem Niveau |
| Innerschweiz | GL, LU, NW, OW, SZ, UR, ZG | +25,8 % bei den Baugesuchen | hohe Nachfrage, besonders in Luzern, Zug und Schwyz |
| Zürich | ZH, SH | Gesuche weiterhin tief | knappe Flächen, Verdichtung, Kosten und lange Verfahren |
| Genfersee | GE und Genfersee-Gemeinden VD | Gesuche weiterhin tief | sehr knapper Markt, aber schwache Pipeline |
| Nordwestschweiz | AG, BL, BS, SO | Gesuche weiterhin tief | einzelne Grossprojekte möglich, insgesamt geringe Dynamik |
In der Region Bern nahm die Zahl der Baugesuche innert Jahresfrist um 44,2 Prozent zu. Laut Studienautor sind darunter auch Umnutzungen grösserer Industrieareale. Solche Projekte schaffen viele Wohnungen, benötigen wegen Etappierung, Altlasten, Erschliessung und Einsprachen aber häufig länger.
In der Innerschweiz stiegen die Gesuche um 25,8 Prozent. Besonders Luzern, Zug und Schwyz profitieren von sehr hoher Nachfrage, guten Verkehrsverbindungen und robusten Arbeitsmärkten.
In Zürich, am Genfersee und in der Nordwestschweiz bleibt die neue Gesuchsdynamik dagegen tief. Einzelne Grossprojekte können lokal dennoch eine grosse Wirkung haben.
Wann werden die Wohnungen bezugsbereit?
Ein nationaler Bezugstermin existiert nicht. Die Bewilligungen wurden über zwölf Monate verteilt und betreffen Projekte mit sehr unterschiedlichem Stand.
Als vorsichtige UrbanHome-Markteinordnung gilt: Bereits gestartete oder unmittelbar startende Projekte können 2027 oder 2028 bezugsbereit sein. Grosse Ersatzneubauten, Industrieareale und etappierte Überbauungen benötigen häufig bis 2029, 2030 oder länger.
Diese Zeitfenster sind keine offizielle Wüest-Partner-Prognose. Verbindlich ist nur der Zeitplan der konkreten Bauherrschaft beziehungsweise der unterzeichnete Mietvertrag.
| Projektstand | Vermarktung | Bezugsfenster |
|---|---|---|
| Bau bereits gestartet | Vermarktung teils 2026/2027 | Bezug häufig 2027–2028 |
| Bewilligung rechtskräftig, Baustart bevorstehend | Vermarktung während der Bauphase | Bezug häufig 2028 |
| Bewilligt, Finanzierung oder Vergabe offen | Vermarktung eher später | Bezug eher 2028–2029 |
| Grosses Areal oder mehrere Etappen | Etappenweise Erstvermietung | erste Bezüge 2028/2029, letzte Etappen 2030+ |
| Einsprachen, Rekurse oder Überarbeitung | Termin unsicher | 2029 oder später; Umsetzung nicht garantiert |
Bezugszeit-Schätzer
Grobe Orientierung ab August 2026; keine Garantie.
Rund 15 Prozent sind Ersatzneubauten
Rund 15 Prozent der bewilligten Wohnungen gehören laut Studienautor zu Ersatzneubauten. Rechnerisch entsprechen 15 Prozent von 32’900 rund 4’935 Wohnungen.
Das bedeutet nicht, dass der Wohnungsbestand exakt um 4’935 Einheiten weniger wächst. Ein Gebäude mit 40 alten Wohnungen kann beispielsweise durch 90 neue Wohnungen ersetzt werden.
Auch die übrigen rund 27’965 Einheiten sind keine garantierte Nettozunahme, weil Projekte verändert, verzögert oder nicht realisiert werden können.
Entspannt sich der Mietmarkt jetzt?
Die höheren Bewilligungszahlen sind ein positives mittelfristiges Signal, beenden die Wohnungsknappheit aber nicht sofort. Die offizielle Leerwohnungsziffer lag 2025 bei genau 1,00 Prozent.
Wüest Partner rechnet damit, dass einzelne Regionen ab 2027 langsam stabiler werden könnten. Eine schnelle und flächendeckende Entspannung wurde ausdrücklich nicht prognostiziert.
Entscheidend ist, ob die Wohnungen tatsächlich gebaut werden, wo sie liegen, wie viele alte Einheiten sie ersetzen und wie stark Bevölkerung und Haushaltszahl weiter wachsen.
Werden die neuen Wohnungen günstig sein?
Neubauwohnungen sind wegen Land-, Bau-, Finanzierungs- und Energiekosten häufig teurer als langjährige Bestandswohnungen. Mehr Angebot kann den Anstieg der Angebotsmieten bremsen, führt aber nicht automatisch zu günstigen Anfangsmieten.
Genossenschaften, gemeinnützige Bauträger, preisgünstige Quoten oder kommunales Land können andere Preissegmente erreichen als rein renditeorientierte Projekte.
Wohnungssuchende sollten Bruttomiete, Nebenkosten, Fläche, Mobilitätskosten und allfällige Mindestbelegungen vergleichen.
So finden Wohnungssuchende Neubauprojekte früh
- Suchabo für Neubau, Erstbezug und die gewünschte Region einrichten.
- Webseiten von Gemeinden, Arealentwicklungen, Genossenschaften und institutionellen Bauherrschaften beobachten.
- Nach der geplanten Erstvermietung suchen – nicht nur nach dem Baubeginn.
- Sich frühzeitig für Projektnewsletter oder Interessentenlisten registrieren.
- Auch gut erschlossene Nachbargemeinden einbeziehen.
- Mietbudget und Bewerbungsdossier vor dem Vermarktungsstart vorbereiten.
- Projekt, Verwaltung und Zahlungskonto vor jeder Vorauszahlung prüfen.
Drei Szenarien bis 2030
| Szenario | Mögliche Entwicklung |
|---|---|
| Regionale Entspannung | Viele Projekte werden rasch gebaut. Ab 2027/2028 steigt die Auswahl besonders in Bern, Teilen der Innerschweiz und einzelnen Agglomerationen. |
| Fragile Stabilisierung | Neue Wohnungen werden durch zusätzliche Haushalte rasch absorbiert. Die Suche bleibt schwierig, der Leerstand stabilisiert sich tief. |
| Verzögerter Effekt | Einsprachen, Ersatzneubauten und Kosten verzögern die Fertigstellungen. Die heutige Bewilligungswelle wirkt erst 2029 oder später stärker. |
Häufige Fehlinterpretationen
- 32’900 Bewilligungen mit 32’900 fertigen Wohnungen gleichsetzen.
- Annehmen, alle Einheiten erhöhten den Bestand netto.
- Die Zuwachsrate der Baugesuche als regionale Stückzahl interpretieren.
- Von einer nationalen Entwicklung direkt auf die eigene Gemeinde schliessen.
- Mit sofort sinkenden Mieten rechnen.
- Die aktuelle Wohnungssuche vollständig stoppen und nur auf Neubauten warten.
- Einen angekündigten Bezugstermin vor Vertragsabschluss als garantiert betrachten.
Checkliste für Wohnungssuchende
Region
Zeitplan
Bewerbung
Sicherheit
Quellen und Datenstand
- Blick: 32’900 neue Mietwohnungen bewilligt, aktualisiert 2. August 2026
- Wüest Partner: Wohnungsmarkt und fragiler Bauaufschwung 2026
- Wüest Partner: Definition der Schweizer Marktregionen
- Bundesamt für Statistik: Leerwohnungen und Leerwohnungsziffer
- Bundesamt für Raumentwicklung: Wohnbautätigkeit und Innenentwicklung
- BFS-Baustatistik: 46’731 neu erstellte Wohnungen im Jahr 2023
Datenstand: 4. August 2026.
Häufige Fragen zu den 32’900 neuen Mietwohnungen
Zusammenfassung
Die 32’900 bewilligten Mietwohnungen sind das stärkste positive Angebotssignal seit mehreren Jahren, aber noch kein sofort verfügbares Wohnungsangebot. Die neue Dynamik ist in Bern und der Innerschweiz besonders gross; viele Bezüge sind zwischen 2027 und 2029 zu erwarten. Wohnungssuchende sollten Neubauprojekte früh beobachten, ohne ihre laufende Suche zu unterbrechen.
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