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Mehr Baubewilligungen in der Schweiz: Entspannt sich der Wohnungsmarkt?

Die Zahl der Baubewilligungen für neue Wohnungen ist in der Schweiz wieder gestiegen – besonders stark im Mietwohnungsbau. Eine schnelle Entspannung ist dennoch unwahrscheinlich, denn zwischen Bewilligung und Bezug liegen Planung, Finanzierung und Bauzeit, während Bevölkerung und Wohnraumnachfrage weiter wachsen.

Autor: Nikita von Niederhäuser, Immobilienexperte UrbanHome Aktualisiert am: Lesezeit: ca. 16 Minuten

Kurz erklärt

2025 wurden in der Schweiz nach Marktdaten von Wüest Partner Baubewilligungen für rund 50’700 neue Wohnungen erteilt. Das waren 6 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie seit 2018 nicht mehr. Der Zuwachs entfiel hauptsächlich auf Mietwohnungen. Von einer flächendeckenden Entspannung kann dennoch keine Rede sein: Die Baugesuche gingen 2025 wieder zurück, bewilligte Projekte kommen erst verzögert auf den Markt und die Leerwohnungsziffer lag zuletzt bei nur 1,00 Prozent. Die wahrscheinlichste Entwicklung ist deshalb eine leichte regionale Verbesserung, aber keine schnelle Beendigung der Wohnungsknappheit.

Die aktuellen Zahlen zum Schweizer Wohnungsbau

Die Baubewilligungen haben sich nach mehreren schwachen Jahren sichtbar erholt. Wüest Partner beziffert die Zahl der 2025 bewilligten neuen Wohnungen auf rund 50’700. Gegenüber 2024 entspricht dies einem Anstieg von ungefähr 6 Prozent und dem höchsten Wert seit 2018.

Die Entwicklung muss jedoch zusammen mit weiteren Marktindikatoren betrachtet werden:

Kennzahl Aktueller Stand Einordnung
Baubewilligungen 2025 Rund 50’700 Wohnungen Etwa 6 Prozent mehr als 2024 und höchster Stand seit 2018.
Bewilligte Mietwohnungen Rund 21 Prozent mehr als im Vorjahr Der Aufschwung konzentriert sich stark auf den Mietwohnungsbau.
Baugesuche 2025 Rund 11 Prozent weniger als im Vorjahr Der Bewilligungsanstieg könnte teilweise nur vorübergehend sein.
Leerwohnungen per 1. Juni 2025 48’455 Wohnungen 3’519 weniger als im Vorjahr.
Leerwohnungsziffer 2025 1,00 Prozent Fünfter Rückgang in Folge und deutlich unter dem Stand von 2020.
Bevölkerung Ende 2025 9’124’300 Personen Zunahme um rund 73’300 Personen oder 0,8 Prozent.
Wohnungsproduktion 2023 Rund 46’700 neue Wohnungen 2018 waren es noch gut 53’000 Wohnungen gewesen.
Baubewilligungen sind ein Frühindikator: Sie zeigen, welche Projekte grundsätzlich realisiert werden dürfen. Sie zeigen noch nicht, wie viele Wohnungen bereits gebaut, bezogen oder tatsächlich auf dem Markt verfügbar sind.

Was bedeutet eine Baubewilligung?

Eine Baubewilligung ist die behördliche Zustimmung zu einem Bauprojekt. Sie bestätigt, dass das eingereichte Vorhaben unter den verfügten Bedingungen mit den anwendbaren Bau-, Planungs- und Umweltvorschriften vereinbar ist.

Der typische Ablauf besteht vereinfacht aus mehreren Stufen:

  1. Grundstück oder bestehende Liegenschaft analysieren.
  2. Projekt und Finanzierung vorbereiten.
  3. Baugesuch einreichen.
  4. Öffentliche Auflage und behördliche Prüfung durchführen.
  5. Einsprachen und Auflagen behandeln.
  6. Baubewilligung erteilen.
  7. Ausführungsplanung und Vergabe abschliessen.
  8. Bau beginnen und fertigstellen.
  9. Wohnungen abnehmen, vermieten oder verkaufen.

Eine Bewilligung führt daher nicht automatisch zu einem sofortigen Baustart. Bei grossen Überbauungen, Arealentwicklungen und Ersatzneubauten können zwischen ersten Planungen und Bezug mehrere Jahre liegen.

Baugesuch, Bewilligung und Fertigstellung im Vergleich

Phase Aussage Unsicherheit
Baugesuch Ein Projekt wurde zur Prüfung eingereicht. Bewilligung, Auflagen, Einsprachen und Finanzierung sind noch offen.
Baubewilligung Das Projekt darf grundsätzlich realisiert werden. Baubeginn, Finanzierung und vollständige Umsetzung bleiben offen.
Baustart Das Projekt wird tatsächlich umgesetzt. Bauzeit, Kosten und Fertigstellungstermin können sich verändern.
Fertigstellung Die neuen Wohnungen können bezogen werden. Entscheidend bleibt, ob Preis, Lage und Wohnungstyp zur Nachfrage passen.

Warum sich der Wohnungsmarkt nicht sofort entspannt

Die gestiegenen Bewilligungszahlen sind ein positives Signal. Für eine breite Entspannung müssen jedoch über längere Zeit mehr Wohnungen fertiggestellt werden, als durch zusätzliche Haushalte, Abbrüche, Umnutzungen oder andere Veränderungen benötigt werden.

1. Die Nachfrage wächst weiter

Die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz nahm 2025 um rund 73’300 Personen zu. Zusätzlich wächst die Zahl der Haushalte tendenziell schneller als die Bevölkerung, etwa weil mehr Personen allein oder in kleineren Haushalten leben.

2. Bewilligungen wirken verzögert

Eine heute erteilte Bewilligung erhöht das verfügbare Wohnungsangebot nicht sofort. Erst nach Finanzierung, Ausführungsplanung, Bau und Abnahme können Wohnungen vermietet oder verkauft werden.

3. Nicht jede bewilligte Wohnung erhöht den Bestand netto

Bei Ersatzneubauten werden bestehende Gebäude abgebrochen und durch grössere Neubauten ersetzt. Der neue Bau kann zwar mehr Wohnungen enthalten, während der Bauphase gehen die alten Wohnungen jedoch vorübergehend verloren.

4. Neue Wohnungen entstehen nicht immer dort, wo die Knappheit am grössten ist

Ein zusätzlicher Neubau in einer Region mit mässiger Nachfrage kann den Markt lokal entspannen. In Zürich, Genf, Zug oder anderen sehr knappen Regionen können neue Wohnungen dagegen rasch absorbiert werden.

5. Das Preissegment ist entscheidend

Eine grosse Zahl hochpreisiger Neubauwohnungen hilft Haushalten mit tiefem oder mittlerem Einkommen nur begrenzt. Eine echte Entspannung setzt voraus, dass ausreichend bedarfsgerechte Wohnungen in unterschiedlichen Grössen und Preisklassen entstehen.

Der Aufschwung konzentriert sich auf Mietwohnungen

Der stärkste Zuwachs bei den Bewilligungen entfiel 2025 auf Mietwohnungen. Nach Angaben von Wüest Partner wurden rund 21 Prozent mehr Mietwohnungen bewilligt als im Vorjahr.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Die Nachfrage nach Mietwohnungen bleibt hoch.
  • Tiefere Finanzierungskosten verbessern die Kalkulation von Mehrfamilienhäusern.
  • Steigende Angebotsmieten erhöhen die erwarteten Erträge neuer Projekte.
  • Institutionelle Anleger suchen langfristige und relativ stabile Mieterträge.
  • Mehrfamilienhäuser ermöglichen eine dichtere Nutzung knapper Grundstücke.
  • In Städten wird häufiger verdichtet als mit Einfamilienhäusern erweitert.

Mehr bewilligte Mietwohnungen können den Angebotsdruck mittelfristig reduzieren. Entscheidend ist jedoch, ob die Projekte tatsächlich gebaut werden und ob die Wohnungen für die lokalen Haushalte finanziell tragbar sind.

Für Mieter besonders wichtig: Mehr Neubau bedeutet nicht zwingend sinkende Bestandsmieten. Am ehesten kann ein grösseres Angebot den Wettbewerb bei Neuvermietungen verbessern und den Anstieg der Angebotsmieten regional bremsen.

Wohneigentum bleibt trotz höherer Gesamtzahlen knapp

Der Anstieg der gesamten Baubewilligungen darf nicht mit einem Boom beim Wohneigentum verwechselt werden. Laut UBS wurden 2025 lediglich rund 5’100 Einfamilienhäuser und 11’200 Eigentumswohnungen bewilligt. Damit lag die Zahl der bewilligten Eigenheime weiterhin deutlich unter früheren Niveaus.

Der Neubau von Wohneigentum wird gebremst durch:

  • knappes und teures Bauland,
  • hohe Grundstücks- und Baukosten,
  • Verdichtung zugunsten von Mehrfamilienhäusern,
  • strenge Tragbarkeitsanforderungen für Käufer,
  • hohe notwendige Eigenmittel,
  • komplexe Planungs- und Bewilligungsverfahren,
  • geringe Verfügbarkeit geeigneter Grundstücke in Zentren.

Mehr Mietwohnungsbau kann den Mietmarkt entlasten, bedeutet aber nicht automatisch eine grössere Auswahl für Haushalte, die eine Eigentumswohnung oder ein Einfamilienhaus kaufen möchten.

Der Wohnungsmarkt entspannt sich nicht überall gleich

Die nationale Zahl von 50’700 bewilligten Wohnungen verdeckt erhebliche regionale Unterschiede. Einzelne Grossprojekte können die Statistik eines Kantons oder einer Region stark erhöhen, ohne dass sich die Situation in anderen Landesteilen verändert.

Regionale Ausgangslage Mögliche Wirkung zusätzlicher Wohnungen
Stadt mit sehr tiefem Leerstand Neue Wohnungen werden häufig rasch vermietet; die Entspannung bleibt begrenzt.
Gut erschlossene Agglomerationsgemeinde Grössere Projekte können die Auswahl sichtbar erhöhen und den Suchradius erweitern.
Gemeinde mit bereits höherem Angebot Zusätzlicher Neubau kann zu längeren Vermarktungszeiten und stärkerem Preiswettbewerb führen.
Touristische Region Die Wirkung hängt davon ab, ob Erstwohnungen, Ferienwohnungen oder bewirtschaftete Objekte entstehen.
Ländliche Region mit schwächerer Nachfrage Ein grosses Projekt kann den lokalen Markt deutlich stärker beeinflussen.

Eine nationale Verbesserung kann deshalb gleichzeitig mit einer anhaltenden oder sogar zunehmenden Knappheit in einzelnen Städten und Agglomerationen auftreten.

Was bedeuten die Baubewilligungen für Mieten und Immobilienpreise?

Angebotsmieten

Ein grösseres Wohnungsangebot kann den Mietpreisanstieg bremsen, sofern die neuen Wohnungen am richtigen Ort und im nachgefragten Preissegment entstehen. Kurzfristig bleiben die Angebotsmieten jedoch durch tiefe Leerstände und hohe Nachfrage gestützt.

Bestandsmieten

Die Miete in einem bestehenden Vertrag sinkt nicht automatisch, weil in der Region neue Wohnungen gebaut werden. Für laufende Mietverhältnisse gelten die mietrechtlichen Anpassungsgrundlagen und der konkrete Vertrag.

Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser

Da der Neubau von Wohneigentum weiterhin begrenzt ist, dürfte ein allgemeiner Preisrückgang allein wegen der höheren Gesamtzahl von Baubewilligungen ausbleiben. Tiefe Hypothekarzinsen, knappe Angebote und hohe Nachfrage stützen die Preise weiterhin.

Bauland und Mehrfamilienhäuser

Mehr realisierbare Projekte können die Nachfrage nach geeigneten Grundstücken und Entwicklungsflächen erhöhen. Gleichzeitig verbessert ein grösseres Angebot langfristig die Funktionsfähigkeit des Wohnungsmarkts.

Marktsegment Kurzfristige Wirkung Mittelfristige Wirkung bei tatsächlicher Realisierung
Mietwohnungen Noch wenig zusätzliche Verfügbarkeit. Mehr Auswahl und möglicherweise langsamer steigende Angebotsmieten.
Bestandsmieten Keine direkte Wirkung. Indirekt mehr Wechselmöglichkeiten für Mieter.
Eigentumswohnungen Angebot bleibt knapp. Regional mehr Auswahl, aber kein sicherer Preisrückgang.
Einfamilienhäuser Sehr begrenzter Neubau. Knappheit bleibt in vielen Regionen bestehen.

Was könnte den Bauaufschwung wieder bremsen?

Die höheren Bewilligungszahlen sind noch kein Beweis für einen dauerhaft stärkeren Wohnungsbau. Besonders der Rückgang der Baugesuche um rund 11 Prozent zeigt, dass die Pipeline neuer Projekte wieder schwächer werden könnte.

Wichtige Risiken

  • sinkende Zahl neuer Baugesuche,
  • lange Planungs- und Bewilligungsverfahren,
  • Einsprachen und Rekurse,
  • hohe Bau- und Grundstückskosten,
  • Fachkräftemangel und Kapazitätsengpässe,
  • strengere energetische oder bauliche Anforderungen,
  • Finanzierungsprobleme bei einzelnen Projektentwicklern,
  • politische Unsicherheit oder zusätzliche Regulierungen,
  • unzureichende Wirtschaftlichkeit bei regulierten oder sehr günstigen Mieten.

Grossprojekte können die Statistik verzerren

Ein Teil des jüngsten Anstiegs kann durch grössere Arealentwicklungen und regionale Einmaleffekte erklärt werden. Fallen solche Projekte in einem Folgejahr weg, können die Bewilligungszahlen erneut sinken, obwohl sich die strukturellen Rahmenbedingungen kaum verändert haben.

Bauen bleibt teurer als vor der Pandemie

Die Baupreisteuerung hat sich zwar deutlich abgeschwächt. Das Preisniveau für Bauleistungen und Materialien liegt jedoch weiterhin klar über dem Stand vor der Pandemie. Dadurch bleiben Projekte anspruchsvoll zu kalkulieren.

Was tun Bund, Kantone und Gemeinden gegen die Wohnungsknappheit?

Planungs- und Baurecht liegen in der Schweiz zu einem grossen Teil in der Verantwortung der Kantone und Gemeinden. Der Bund kann Rahmenbedingungen setzen, Grundlagen erarbeiten und die Zusammenarbeit unterstützen.

Der Aktionsplan Wohnungsknappheit umfasst Massnahmen in drei Hauptbereichen:

  • Innenentwicklung erleichtern und qualitätsvoll umsetzen,
  • Planungs- und Bewilligungsverfahren stärken und beschleunigen,
  • genügend preisgünstigen und bedarfsgerechten Wohnraum sicherstellen.

Verdichtung statt Zersiedelung

Ein wachsender Teil des Wohnungsbaus findet auf bereits bebauten Grundstücken statt. Nach Angaben des Bundesamts für Raumentwicklung wurden zwischen 2018 und 2022 rund 59 Prozent der Baubewilligungen für neue Wohnungen auf bereits bebauten Parzellen erteilt.

Dazu gehören:

  • Ersatzneubauten,
  • Aufstockungen,
  • Anbauten,
  • Umnutzung ehemaliger Gewerbe- und Industrieareale,
  • Verdichtung bestehender Wohnsiedlungen.

Verdichtung kann mehr Wohnraum schaffen, ist aber planerisch und politisch anspruchsvoll. Ortsbild, Lärmschutz, Schattenwurf, Verkehr, Grünräume, Denkmalschutz und Interessen der Nachbarschaft müssen berücksichtigt werden.

Drei mögliche Szenarien für den Schweizer Wohnungsmarkt

Die folgenden Szenarien sind eine Markteinordnung und keine Garantie für die zukünftige Entwicklung.

Szenario 1: Langsame Entspannung

Ein grosser Teil der bewilligten Wohnungen wird gebaut, weitere Projekte folgen und das Bevölkerungswachstum schwächt sich ab. Die Auswahl steigt regional, und das Wachstum der Angebotsmieten verlangsamt sich.

Szenario 2: Fragile Stabilisierung

Die bewilligten Wohnungen erhöhen das Angebot, werden aber durch neue Haushalte rasch absorbiert. Der Leerstand stabilisiert sich auf tiefem Niveau, während Mieten und Preise moderater weitersteigen.

Szenario 3: Erneute Verschärfung

Die rückläufigen Baugesuche führen später zu weniger Bewilligungen und Fertigstellungen. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage hoch. Leerstände sinken weiter und die Angebotsmieten steigen erneut stärker.

Nach der aktuellen Datenlage erscheint eine fragile Stabilisierung wahrscheinlicher als eine schnelle und flächendeckende Entspannung. In einzelnen Regionen mit vielen Fertigstellungen kann die Entwicklung günstiger ausfallen.

Was bedeuten mehr Baubewilligungen für Wohnungssuchende?

Wohnungssuchende sollten die höheren Bewilligungszahlen als positives mittelfristiges Signal verstehen, aber nicht auf eine sofort deutlich grössere Auswahl warten.

Neubauprojekte früh beobachten

Grössere Überbauungen werden teilweise bereits vor der Fertigstellung vermarktet. Wer sich früh registriert oder ein Suchabo verwendet, kann rechtzeitig auf Erstvermietungen aufmerksam werden.

Agglomerationen einbeziehen

Neue Wohnungen entstehen häufig in gut erschlossenen Agglomerationsgemeinden, weil dort grössere Areale und Verdichtungspotenziale vorhanden sind. Ein erweiterter Suchradius kann die Auswahl deutlich vergrössern.

Gesamtkosten vergleichen

Neubauwohnungen haben häufig höhere Nettomieten, können aber bei Energieverbrauch, Ausstattung, Barrierefreiheit und Unterhaltsbedarf Vorteile bieten. Entscheidend sind die gesamten monatlichen Wohn- und Mobilitätskosten.

Nicht nur die Zimmerzahl betrachten

Neue Wohnungen werden teilweise kompakter geplant. Deshalb sollten Grundriss, Wohnfläche, Stauraum, Balkon, Keller, Waschküche und Möblierbarkeit gemeinsam geprüft werden.

Was bedeutet die Entwicklung für Eigentümer und Investoren?

Bestehende Eigentümer

Mehr Neubau erhöht regional den Wettbewerb. Gut unterhaltene Wohnungen an attraktiven und gut erschlossenen Lagen dürften jedoch weiterhin gefragt bleiben.

Vermieter

In Gemeinden mit vielen neuen Mietwohnungen können Vermarktungsdauer, Ausstattung und Preispositionierung wichtiger werden. In sehr knappen Märkten bleibt die Nachfrage dagegen hoch.

Projektentwickler

Die Nachfrage nach Wohnraum spricht grundsätzlich für neue Projekte. Wirtschaftlichkeit, Baukosten, regulatorische Vorgaben und Dauer der Verfahren müssen dennoch sorgfältig geprüft werden.

Käufer von Neubauwohnungen

Käufer sollten Fertigstellung, Bauqualität, Garantien, Zahlungsplan, Erneuerungsfonds, Umgebung und zukünftige Bautätigkeit im Quartier prüfen. Eine Baubewilligung allein garantiert keinen termingerechten Bezug.

Woran erkennt man eine echte Entspannung?

Eine nachhaltige Verbesserung zeigt sich nicht nur an einer einzelnen hohen Bewilligungszahl. Mehrere Kennzahlen sollten sich gleichzeitig verändern.

Indikator Signal für Entspannung
Baugesuche Mehrere Jahre stabil oder steigend.
Baubewilligungen Breiter Anstieg statt einzelner regionaler Grossprojekte.
Baustarts Bewilligte Projekte werden tatsächlich realisiert.
Fertigstellungen Deutlich mehr bezugsbereite Wohnungen.
Nettozuwachs Neue Wohnungen übersteigen Abbrüche und Umnutzungen deutlich.
Leerwohnungsziffer Stabilisierung oder Anstieg in knappen Regionen.
Anzahl Inserate Mehr verfügbare Wohnungen pro Gemeinde und Preissegment.
Insertionsdauer Wohnungen bleiben länger ausgeschrieben.
Angebotsmieten Preisanstieg verlangsamt sich oder stagniert regional.

Checkliste: Baubewilligungen und Wohnungsmarkt richtig einordnen

Aktuelle Zahlen

Region und Projekt

Marktwirkung

Häufige Fragen zu Baubewilligungen und Wohnungsmarkt

Nach Marktdaten von Wüest Partner wurden 2025 Baubewilligungen für rund 50’700 neue Wohnungen erteilt. Das waren rund 6 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Wert seit 2018.

Kurzfristig ist keine flächendeckende Entspannung zu erwarten. Bewilligte Wohnungen müssen zuerst finanziert, gebaut und fertiggestellt werden. Gleichzeitig bleiben Nachfrage, Bevölkerungswachstum und regionale Wohnungsknappheit hoch.

Ein Baugesuch ist der Antrag für ein Bauprojekt. Eine Baubewilligung bedeutet, dass das Projekt unter den verfügten Bedingungen realisiert werden darf. Sie garantiert jedoch weder einen sofortigen Baubeginn noch die tatsächliche Fertigstellung.

Zwischen Baubewilligung und Bezug liegen Finanzierung, Ausführungsplanung, Bauarbeiten und Abnahme. Die Wirkung auf das Wohnungsangebot erscheint deshalb zeitlich verzögert und hängt von der Grösse und Komplexität des Projekts ab.

Der jüngste Anstieg der Bewilligungen entfiel überwiegend auf den Mietwohnungsbau. Wüest Partner beziffert den Zuwachs bei bewilligten Mietwohnungen 2025 auf rund 21 Prozent.

Die Nachfrage wächst durch Bevölkerungszunahme, neue Haushalte und die Konzentration auf gut erschlossene Regionen. Gleichzeitig dauern Planung und Bau lange, Ersatzneubauten verdrängen vorübergehend bestehende Wohnungen und nicht jede Bewilligung wird sofort umgesetzt.

Am 1. Juni 2025 lag die offizielle Schweizer Leerwohnungsziffer bei 1,00 Prozent. Gezählt wurden 48’455 leer stehende Wohnungen. Die definitive Zahl für 2026 war Ende Juli 2026 noch nicht publiziert.

Ein allgemeiner Rückgang der Mieten ist kurzfristig nicht zu erwarten. Mehr Neubau kann den Anstieg der Angebotsmieten regional bremsen, wenn genügend Wohnungen am richtigen Ort und im nachgefragten Preissegment fertiggestellt werden.

Ein flächendeckender Preisrückgang ist nicht allein wegen höherer Baubewilligungen zu erwarten. Der Neubau von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen bleibt vergleichsweise schwach, während tiefe Zinsen und knappes Angebot die Nachfrage stützen.

Bauland, Nutzungsplanung, Verdichtungspotenzial, Nachfrage, Projektgrössen, Bewilligungsverfahren und Einsprachen unterscheiden sich zwischen Kantonen und Gemeinden. Einzelne Grossprojekte können die regionalen Zahlen stark beeinflussen.

Ja. Ein Projekt kann wegen Finanzierung, Baukosten, Auflagen, Einsprachen, veränderter Nachfrage, strategischer Entscheide oder fehlender Wirtschaftlichkeit verschoben, verändert oder aufgegeben werden.

Einsprachen und Rechtsmittel können Bauprojekte verzögern. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des Rechtsschutzes, können bei komplexen Projekten aber dazu führen, dass geplanter Wohnraum deutlich später entsteht.

Am ehesten profitieren Gemeinden, in denen mehrere grössere Projekte tatsächlich gebaut werden und das neue Angebot zur lokalen Nachfrage passt. In besonders knappen Zentren kann der zusätzliche Wohnraum dagegen rasch absorbiert werden.

Wichtig sind nicht nur Baubewilligungen, sondern auch Baugesuche, Baustarts, Fertigstellungen, Nettozuwachs des Wohnungsbestands, Leerwohnungsziffer, Anzahl ausgeschriebener Wohnungen, Insertionsdauer und Entwicklung der Angebotsmieten.

Quellen und Datenstand

Der Artikel berücksichtigt den bis zum 30. Juli 2026 verfügbaren Datenstand. Die offizielle Schweizer Leerwohnungsziffer für 2026 war zu diesem Zeitpunkt noch nicht publiziert.

Zusammenfassung

Die höhere Zahl von Baubewilligungen ist ein positives Signal für den Schweizer Wohnungsmarkt. 2025 wurden rund 50’700 neue Wohnungen bewilligt – etwa 6 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie seit 2018 nicht mehr. Besonders stark stiegen die Bewilligungen für Mietwohnungen. Eine schnelle Entspannung ist dennoch nicht zu erwarten: Baugesuche gingen bereits wieder zurück, bewilligte Wohnungen werden erst verzögert fertiggestellt und die Leerwohnungsziffer lag 2025 bei nur 1,00 Prozent. Gleichzeitig wachsen Bevölkerung und Zahl der Haushalte weiter. Mehr Neubau dürfte deshalb zunächst vor allem verhindern, dass sich die Knappheit noch schneller verschärft. Eine spürbare Entspannung ist am ehesten regional und dort möglich, wo mehrere Projekte tatsächlich realisiert werden und hinsichtlich Lage, Grösse und Preis zur lokalen Nachfrage passen.

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